Der architectural tuesday der Fakultät für Architektur der TH Köln widmet sich im Wintersemester 2018/19 der zeitgenössischen Architektur in Frankreich und seinen Architekten. Die Veranstaltungen geben einen intensiven Einblick in das facettenreiche Bild der französischen Architektur, dessen Architekten nach den Heroen der klassischen Moderne, Auguste Perret und Le Corbusier, seitdem in jedem Jahrzehnt einen sehr eigenen Beitrag zur europäischen Architektur geleistet haben. Zum Auftakt stellt ein Vortrag von Prof. Axel Sowa, dem langjährigen Chefredakteur von „L’architecture d’aujour d’hui“ und heutigem Architekturtheoretiker in Aachen, die Verbindung der großen „klassischen“ Architekten der Moderne und den jüngeren Strömungen der französischen Architektur bis heute her. Die erste Veranstaltung des architectural tuesday beginnt am Dienstag, der 30. Oktober 2018 um 19 Uhr an der TH Köln, Campus Deutz im Karl-Schüssler-Saal des Altbaus.

Die französische Architektur erscheint in der Außensicht in der ersten Hälfte vor allem durch das Werk von Auguste Perret und seinem Konkurrenten Le Corbusier geprägt. Erst die Postmoderne hat in erkennbarem Maß dieses nachhaltige Erbe dieser beiden bedeutenden Protagonisten der modernen Architektur und ihrer weltweit prägenden Betonarchitektur erlaubt. Seitdem jedoch hat sich in Frankreich eine Architekturszene entwickelt, die insbesondere in der Postmoderne und in der heutigen Gegenwart Schlüsselpositionen in der Weltarchitektur besetzt hat. Auch auf theoretischer Ebene war die in Frankreich selbstverständliche Durchdringung der Architektur durch strukturalistische und poststrukturalistische Ansätze der Philosophie für viele Architekten weltweit vorbildgebend.

In den letzten zehn Jahren arbeitet eine jüngere Generation von Architekten mehr denn je auf diesem globalen Niveau. Die Frage nach dem „Französischen“ in der französischen Architektur lässt sich höchstens als Freude am Spiel der Formen und einer Vorliebe für farbige Gestaltungen beantworten. Vielmehr jedoch arbeitet diese jüngere Generation an den drängenden Problemen unserer Zeit, an nachhaltigen Infrastrukturlösungen, bezahlbarem Wohnraum, an ökologischen und energieeffizienten Bauten und an einer sozial verträglichen Stadt.

Im Karl-Schüssler-Saal in Deutz kommen an sechs Dienstagabenden Persönlichkeiten verschiedener Generationen der französischen Architekturszene – darunter die legendäre Architektin Odile Decq – zu Wort, die die unterschiedlichen Strömungen der französischen Architektur der Gegenwart beleuchten: Von der High-Tech-Architektur über eine minimalisierte ökologische Bauweise bis zu formalen Experimenten im tradierten Stadtgefüge reicht die Auswahl, die wir in diesem Semester beim architectural tuesday präsentieren. In der Zusammenschau der Vorträge wird sich nicht nur ein Überblick über die Tendenzen neuer französischer Architektur ergeben, sondern auch ein Einblick in das interessante Verhältnis der unterschiedlich geprägten Generationen französischer Architekten untereinander und zu den wichtigen Themen der Zeit.